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Medien Beiträge über die Pfahlbauten


05.08.2011 Unteruhldingen bietet sich als Zentrum zur Präsentation der Pfahlbauten an


Sie tragen das begehrte Welterbe-Siegel, es gibt aber ein Problem: Die Fundstellen der Pfahlbausiedlungen machen touristisch wenig her. Wie das Welterbe präsentiert werden kann, wird jetzt untersucht.

GERHARD HERR

Uhldingen-Mühlhofen Als das Unesco-Welterbekomitee in Paris Ende Juni 111 Fundorte in sechs Ländern mit den Resten stein- und bronzezeitlicher Pfahlbauten auf die Weltkulturerbeliste setzte, knallten auch am Bodensee die Sektkorken. Dort und am Zürichsee liegen mit 29 mehr als ein Viertel der Siedlungen auf der Liste. Allerdings, betonte auch das Welterbe-Komitee der UN-Organisation, sind dies weltweit die ersten archäologischen Denkmäler unter Wasser, die den begehrten Titel erhalten - bedeckt mit Schlamm und Moor.

Einige der wichtigsten Siedlungen sind am baden-württembergischen und am Schweizer Bodenseeufer gefunden worden. In Gaienhofen-Hornstaad auf der Halbinsel Höri, kurz bevor der Bodensee in den Rhein übergeht, fanden Archäologen die Reste der Siedlung "Hornstaad-Hörnle". Sie wiesen damit den ältesten Hausgrundriss in Europa nach, Holzreste wurden auf das Jahr 3917 vor Christus datiert.

Das Thema der Pfahlbauten wird aber nur in einigen Museen, im Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg in Konstanz, im Museum für Archäologie im schweizerischen Frauenfeld oder im Museum von Unteruhldingen intensiv behandelt. Fundstellen am Bodensee und im Umland sind immerhin mit Schildern gekennzeichnet.

Die Internationale Bodensee Konferenz (IBK) fragt sich, wie die versteckten Welterbestätten den Touristen und Einheimischen näher gebracht werden können. Zunächst lässt die IBK, in der zehn Länder und Kantone vertreten sind, für 50 000 Euro eine Machbarkeitsstudie zum Thema "Sichtbarmachung und Vermittlung des Unesco-Welterbes Pfahlbauten" erstellen.

"Nötig ist das nicht, wir sind doch das grenzüberschreitende Museum, bei uns ist ja schon alles zusammengefasst und an einem Ort sichtbar", sagt Gunter Schöbel dazu. Der Museumsdirektor der Pfahlbauten in Unteruhldingen würde sein Ausstellungsgelände gern zum Zentrum der noch jungen Unesco-Welterbestätte machen.
Die 23 Häuser der sechs Dorfanlagen des Freilichtmuseums zeigen das Leben von 4300 bis 850 vor Christus. Derzeit wird das von einem Sturm 2009 zerstörte Hornstaad-Haus neu erstellt. Es ist nach den Originalen im Untersee vor Gaienhofen und entsprechenden Plänen rekonstruiert worden. In der knapp vier Meter langen Hütte aus Holz, Lehm und Schilf lebte schon der Museumsmitarbeiter "Uhldi" wie vor 5900 Jahren. Er ging Kräuter sammeln, baute Getreide an und kochte auf offenem Feuer im Einraumhaus sein Essen. Selbst die im Wasser zerstreuten Reste des im Sturm umgefallenen Häuschens wurden dokumentiert. "Teile der Hölzer haben wir im Bodensee wieder gefunden, aber zwei Kilometer weg", berichtet Schöbel. Das Unglück ist für den Archäologen ein Stück experimenteller Archäologie. "Das Hornstaad-Haus stand bei uns für eine richtige Simulation zu nah an Land", das neue Haus wird mehr ins Wasser gebaut.

Daneben dokumentiert das seit 1922 aufgebaute Pfahlbaumuseum weitere Bodenseefunde: Das jungsteinzeitliche Arbonhaus ist nach den Funden der schweizerischen Pfahlbausiedlung Arbon-Bleiche III entstanden. Das Original soll aus dem Jahr 3376 vor Christus stammen. In Unteruhldingen stehen auch bronzezeitliche Häuser aus Bad Buchau und Unteruhldingen oder das steinzeitliche Dorf von Sipplingen. Mit den Nachbauten und ihren Einrichtungen sind die Funde und Ausgrabungen von allen Bodenseeufern für die Besucher nachzuvollziehen, sagt Schöbel: "Wir machen hier das versunkene Welterbe sichtbar."

Schöbel, dessen im Jahr von bis zu 300 000 Gästen besuchtes Museum und die Forschungseinrichtung von einem Verein getragen wird, weiß aber auch, dass das Welterbe-Siegel die künftige Forschungsarbeit erleichtern wird - und dass alle Pfahlbauten jetzt touristisch besser genutzt werden. Er plant schon die Erweiterung des ältesten und größten archäologischen Freilichtmuseums in Deutschland.

Tagblatt.de, 05.08.2011