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Medien Beiträge über die Pfahlbauten


27.06.2011: Pfahlbauten sind „großartiges Archiv der Menschheit“


Leutkirch/Paris / ben Mehrere Tausend Jahre alte Pfahlbauten an den Seen des Alpenraumes genießen künftig als Weltkulturerbe besonderen Schutz. Das Welterbekomitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat einem Gemeinschaftsantrag mehrerer europäischer Länder zugestimmt. Sie hatten 111 Pfahlbauten und Relikte prähistorischer Siedlungen für die Liste nominiert. Die Fundstellen sind nun die ersten archäologischen Unterwasser-Denkmäler mit dem begehrten Welterbe-Titel.

„Wir freuen uns sehr“, sagt Dieter Offenhäußer, der Pressesprecher der deutschen Unesco-Komitee im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. „Die Bewerbung war so gut vorbereitet, sodass die Unesco in Paris leicht davon zu überzeugen war, dass das Welterbe-Label bei uns in guten Händen ist.“ Zudem habe der internationale Charakter des Antrags der Idee des Welterbes besonders Rechnung getragen. „Das Besondere an den Pfahlbauten ist die Art der Konservierung: Spuren aus solch fernen Zeiten sind auf der ganzen Welt nur sehr selten zu finden.“

Unter Schweizer Federführung haben die Verantwortlichen den Antrag auf den Welterbe-Titel für die Pfahlbauten in sechs Ländern rund um die Alpen in Paris eingereicht: Die Schweiz, Frankreich, Italien, Österreich und Slowenien sowie Deutschland wollen die verbliebenen Reste alter Siedlungen aus der Stein- und Bronzezeit schützen.

Insgesamt gehören nach Angaben von Christine Baisch, Pressereferentin beim Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg, das für den Südwesten die Bewerbung koordiniert, in Baden-Württemberg 15 Areale am Bodensee und an den Oberschwäbischen Seen zu den nun von der Unesco geschützten Stätten. Bayern ist mit der Roseninsel im Starnberger See sowie jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlungen im Landkreis Landsberg am Lech beteiligt.

Groß war gestern Abend die Freude im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen (Bodenseekreis). „Diese Auszeichnung bedeutet für uns einen großen Aufmerksamkeitsschub und eine große Belohnung für 150 Jahre Pfahlbauforschung“, sagt Museumsdirektor Dr. Gunter Schobel gegenüber der SZ. Die Pfahlbauten seien ein „großartiges Archiv der Menschheit“, das wichtige Informationen über Klima-, Umwelt- und Kulturgeschichte liefere. Die Auszeichnung der originalen Fundstätten als Weltkulturerbe werde die Möglichkeiten der Forschung vorantreiben und sei eine große Chance, um zu zeigen, was Archäologie leisten könne.

Zuständig für die originalen Siedlungsreste im See und im Moor sind die Landesämter für Denkmalpflege in allen sechs beteiligten Ländern. Die Museen sind aufgefordert dieses Kulturerbe als Schaufenster der Geschichte zu zeigen. „Ihre Besonderheit ist die hervorragende Erhaltung von organischen Artefakten wie Textilien, Resten von Nahrungsmitteln, Gebäuden aus Holz, aber auch zahlreichen Gegenständen des täglichen Lebens und des Handwerks. Dies ist der Lagerung im Seeboden unter Luftabschluss zu verdanken. Nicht ohne Grund wurden daher die Pfahlbauten oder Ufersiedlungen immer wieder als ,die Pyramiden Deutschlands und der Schweiz‘ bezeichnet“, schreibt Gunter Schöbel, der Direktor des Pfahlbau-Museums Unteruhldingen (Bodenseekreis), in einer Begründung für die Bewerbung. Das Museum Unteruhldingen gehört zu den 15 Standorten in Baden-Württemberg.

Feuchtigkeit konserviert Spuren

Die Pfahlbaureste stammen nach Angaben von Archäologen aus der Zeit von 4300 bis 800 vor Christus und haben unter Wasser oder in feuchten Böden bis heute überdauert. Eingriffe des Menschen wie die Uferverbauung oder der Klimawandel können dazu führen, dass Pfahlbau-Reste freigespült und damit zerstört würden.

Anders als in normalen Trockenbodenfundstellen sind dort organische Materialien wie Holz, Textilien, Pflanzen und sogar Essensreste erhalten. In der Siedlung Hornstaad-Hörnle – an der Spitze der in den Bodensee ragenden Halbinsel Höri gelegen – ist der älteste Hausgrundriss aus dem Jahr 3915 vor Christus nachweisbar. Eine dort gefundene Scheibe aus Kupfer soll zu den frühesten Metallfunden in Mitteleuropa zählen.

Perlen aus Kalkstein und zugehörige „Spezialbohrer“ ließen eine spezialisierte Perlenindustrie erkennen, berichtete die Unesco-Vertretung. Aus Bodman-Ludwigshafen stammten Teile eines Kulthauses (um 3860 v. Chr.) mit plastisch geformten und bemalten Brüsten, die ursprünglich an einer Hauswand angebracht waren.

 

Schwäbische Zeitung, 27.06.2011

    Pfahlbauten sind großartiges Archiv der Menschheit


 
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