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04.04.2012: Kulturschätze vom Seegrund


Unteruhldingen.  Töpfe, Becher, Waffen, Schmuck: Mehr als 6000 Jahre alt sind manche der Fundstücke, die das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen am Bodensee jetzt zeigt. "Das Erbe der Pfahlbauer" heißt die Schau.

Schmuck und Waffen aus Knochen und Bärenzähnen, Tontöpfe und Schalen, gefunden in Sand und Schlick von Bodensee und Zürichsee oder in oberschwäbischen Mooren: 6000 bis 3000 Jahre alt sind die Relikte, die in der Sonderausstellung "Das Erbe der Pfahlbauten - Faszination Weltkulturerbe" im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen (Bodenseekreis) präsentiert werden. 1000 Fundstücke wurden zusammengetragen, aus dem eigenen Bestand und dem von Museen in Deutschland und der Schweiz. Auch originale Mauerstücke eines Kulthauses, die im Bodensee vor Ludwigshafen gefunden wurden oder Pfähle eines mehrere tausend Jahre alten Pfahlbauernhauses gehören zu den Exponaten, mit denen Museumsdirektor Gunter Schöbel das Welterbe unter Wasser sichtbar machen möchte. Im Juni 2011 wurden Pfahlbausiedlungen an 111 Fundorten in sechs Ländern rund um die Alpen als Unesco-Weltkulturerbe geadelt.

Zu den besonderen Stücken der Schau gehört das Fabelwesen aus Bronze, das 1872 im See vor Hagnau gefunden wurde, eine Leihgabe des Konstanzer Rosgartenmuseums. Das Mischwesen aus Ente und Stier ist deswegen erwähnenswert, weil die Ente ein Fabelwesen der späten Bronzezeit war und der Stier eher in die keltische Phase danach gehörte.

Besonders wertvoll ist die Leihgabe der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, ein Collier aus dem 9. Jahrhundert vor Christus. Das Stück aus Bronze wurde im Schweizer Kanton Neuchâtel entdeckt. Auch anderer Schmuck zeigt, wie fein damals gearbeitet wurde. Manche Nadel ist heute noch so spitz, dass man mit ihr problemlos nähen könnte. Waffen und Haushaltsgegenstände, Kleidungen mit Fransen und Borten, Hüte und Sandalen aus Lindenbast geben Einblicke in die gesellschaftlichen Verhältnisse.

"Naturwissenschaftliche Untersuchungen von Getreide, Abfall und Essensresten geben uns auch Informationen über Klimaverhältnisse, die Umweltgeschichte oder die Tierwelt der damaligen Zeit", sagt Museumsleiter Gunter Schöbel. Die Ausgrabungen unter Wasser seien Grundlagen für die experimentelle Archäologie oder die Hausrekonstruktionen im Unteruhldinger Freilichtmuseum.

In der Sonderausstellung will Schöbel auch deutlich machen, wie seit 164 Jahren am Bodensee geforscht wird und was die Entdeckung der ersten Pfahlbauten im Voralpenland, 1854 im Schweizer Zürichsee, für die heutige Menschheit bedeutet. Damals gab der Schweizer Forscher Ferdinand Keller den Pfahlbauten ihren noch heute bekannten Namen. 1856 wurden dann die ersten Reste von Pfahlbausiedlungen am schweizerischen und deutschen Bodenseeufer entdeckt. Heute wird dieses Erbe überwiegend von Taucharchäologen und Forschern sichtbar gemacht, aber auch durch Luftbild, Satellitenaufnahmen oder Laseruntersuchungen. Dann werden die Fundstücke untersucht und teils aus fingerkuppengroßen Scherben wieder zusammengeklebt. Das Pfahlbaumuseum zeigt auch solche Stücke aus den Museen der Kantone Thurgau und Schaffhausen. Die Ausstellung informiert auch über die Fundstellen, die Entdecker selbst und die abenteuerlichen Tauchmasken, mit denen im 19. Jahrhundert den Seen auf den Grund gegangen wurde.

"Wir Archäologen sind die Nachlassverwalter, unsere Aufgabe ist es das versunkene Welterbe sichtbar zu machen und das nicht Zugängliche ins Museum zu holen", hält der Leiter des privaten Museums fest. 23 Häuser wurden am Unteruhldinger Seeufer nachgebaut, die Gründung des Museums ist dem vor 90 Jahren ins Leben gerufenen Pfahlbauverein zu verdanken.

Mit der Sonderausstellung will das älteste Pfahlbauten-Freilichtmuseum in Europa das Wissen über das Leben in der Stein- und Bronzezeit, von 4300 bis 850 vor Christus, vertiefen und den Besuchern die Situation der Vorfahren bewusst machen. 2011 wurde in 14 000 Führungen von frühen Zeiten erzählt. Es sei wichtig, die Bevölkerung für die geschützten Stätten zu sensibilisieren. "Denn das ist unser gemeinsames Erbe, die Archäologie verwaltet es nur", sagt Schöbel.

 


Autor: GERHARD HERR | 04.04.2012

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Kulturschaetze-vom-Seegrund;art4319,1407037



   


 
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